6. Juli 2026
WHO erweitert Leitfaden der age-friendly City
Seit fast zwanzig Jahren bildet der WHO-Leitfaden Global Age-friendly Cities die Grundlage für die Entwicklung altersfreundlicher Städte und Gemeinden weltweit. Die acht bekannten Handlungsfelder – von öffentlichem Raum über Mobilität bis hin zu sozialer Teilhabe – haben auch meine Projekte und Strategien geprägt.
Nun ergänzt die Weltgesundheitsorganisation diesen bewährten Ansatz. Im neuen Leitfaden (noch im Entwurfsmodus) rückt sie ein Thema stärker in den Mittelpunkt, das angesichts des demografischen Wandels und zunehmender Einsamkeit immer wichtiger wird: soziale Verbundenheit (Social Connection).
Warum diese Ergänzung?
Die Forschung der letzten Jahre zeigt deutlich, dass soziale Isolation und Einsamkeit erhebliche Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität haben. Gleichzeitig stärken stabile soziale Beziehungen das Wohlbefinden, fördern Selbstständigkeit und ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe. Die WHO betrachtet soziale Verbundenheit deshalb zunehmend als die Voraussetzung für gesundes Altern.
Social Connection ist mehr als soziale Teilhabe
Auf den ersten Blick könnte man meinen, das Thema sei bereits im ursprünglichen Leitfaden unter "Social Participation" oder "Respect and Social Inclusion" enthalten. Die Ergänzung macht jedoch deutlich, dass das Querschnittsthema soziale Verbundenheit darüber hinaus geht und alle Handlungsfelder betrifft.
Es reicht nicht, Veranstaltungen anzubieten oder Begegnungsorte zu schaffen. Entscheidend ist, ob Menschen tatsächlich Beziehungen aufbauen und pflegen können, sich zugehörig fühlen und Teil einer Gemeinschaft sind. Damit verschiebt sich der Fokus von Angeboten hin zu Beziehungen.
Was bedeutet das für altersfreundliche Gemeinden?
Für Städte und Gemeinden bedeutet dies ein neuer Fokus auf die Frage: Fördert die Massnahme echte soziale Verbindungen?
Aus meiner Sicht ist diese Ergänzung eine konsequente Weiterentwicklung des ursprünglichen WHO-Konzepts. Sie macht sichtbar, was in vielen erfolgreichen Projekten bereits gelebt wird: Altersfreundlichkeit entsteht nicht allein durch barrierefreie Infrastruktur oder gute Dienstleistungen. Sie entsteht dort, wo Menschen sich begegnen, Beziehungen aufbauen und sich als Teil ihrer Gemeinschaft erleben.